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Kolumne

Long Jog for Bremerhaven

Der letzte Marathon liegt nun 2 1/2 Wochen hinter mir und es ist Zeit. Zeit für was Neues. Zeit das Gelernte über Regenerationszeiten und Pipapo wieder zu vergessen. Zeit bei Kilometer 26 wieder zu verzweifeln. Zeit zum Rennen...

Mittwoch, 16. Juni 2010, 15:00 Uhr, in Welver.
Ich mache mich mit meiner obligatorischen 6%-igen Kohlenhydrat-Lösung bestehend aus Apfelsaft, Glucose und Welveraner Leitungswasser auf den Weg. Das erste Mal in meinem Leben werde ich einen Long-Jog alleine abarbeiten. Das erste Mal ohne meinen GPS-Möhneman, der jeden Meter rund um Welver vermessen hat. Er weiß zu jedem Zeitpunkt, wo wir uns befinden, welches Tempo wir gerade laufen und wann der nächste Straßenbegrenzungspfosten* kommt.
Und nun bin ich alleine, kenn mich hier nicht aus, habe diese orientierungslosen, weiblichen Gene und bin blond.

Ich habe vor, erst mal eine Strecke zu laufen, die ich kenne. Man läuft zu einem Punkt, dreht um und hat dann schon mal 13km abgespult, wenn man wieder zu Hause ist. Den Rest an Kilometern werde ich dann in Form von aufregenden Runden im Wald abspulen. Das Wetter ist ein Traum. Die Sonne scheint und der Wind ist angenehm kühl.


Ich habe das Verlangen, auf Asphalt zu laufen. Dabei genieße ich die warme Luft, die von ihm aufsteigt.
Schon bald erreiche ich den Wendepunkt und möchte weiter. Warum nicht. Ich werde mir einfach merken, wo ich lang laufe und werde dann einfach nach 1 1/2 Stunden umdrehen, um dann den ganzen Senf wieder zurückzulaufen. So einfach ist das. Gedacht, getan. Ich laufe und laufe und komme nach 1:11 Stunden an eine Gabelung, an der ein Schild der Maratahon-Route steht: 27,1 km. Mmh, ich könnte auch hier einfach in die Route einsteigen und es dann mal genießen, mit nur 9 km in den Beinen die kommenden 20iger-km-Schilder abzulaufen. Schließlich habe ich persönlich bei km 26/27 immer mein großes Marathon-Tief. Und das wäre doch mal ne Top-Idee, einfach mal da erst einsteigen und so tun als ob. Ich Fuchs. Ich nehme die Marathon-Route.

Ich habe noch 15 km bis nach Hause. Das ergibt dann mit den knapp 10 bereits gelaufenen Kilometern zusammen 25 km. Das muss reichen. Meine Furcht mich nun zu verlaufen, ist schnell verflogen, da die Schilder immer schön sichtbar an allen Ecken den Weg weisen. Ich trabe durch die Felder. Eine wunderschöne Landschaft. Vorbei an Kuhwiesen, Ziegen und Pferden. Meine Fans. Mit jedem Schritt merke ich jedoch, dass sich meine Beine mit Blei füllen. Neidisch blicke ich zu den Kühen auf der Wiese. Haben die es gut. Die können da so rum hängen und einfach nur blöd aus der Wäsche gucken. Das würde ich jetzt auch viel lieber machen. Wobei ich den Teil mit dem blöd gucken bereits erfolgreich praktiziere.
Ich spüre immer mehr das Salz auf der Haut. Eine Trinkflasche nach der anderen ist leer. Ich freu mich über jedes Marathon-Schild, welches mir bestätigt, dass ich mich noch nicht verlaufen habe. Meine Beine werden immer schwerer.

Und was ist das? Bekomme ich etwa Hunger? Mmh... ob man den Mohn am Feldrand essen kann? Ob da wohl noch Spuren von Opium drin sind, was mich dann den restlichen Weg nach Hause fliegen lässt? Ich probiere es nicht aus und schlürfe weiter.
Ich passiere einen platt gefahren Maulwurf. Ohne große Anstrengung erkenne ich die Ähnlichkeit des Kadavers auf dem Asphalt zu mir. Würde ich meine Kontaktlinsen raus nehmen, dann wären ich und der Maulwurf absolut identische Lebensformen. Ich schleppe mich weiter. Und Tätäää… da ham' was. Ich habe gepennt. Geschlafen. Geträumt. Der Weg endet und es geht nun nur noch nach rechts oder links. Aber kein Routenschild. Und jetzt? Nur ein normales Straßenschild ist da. Wo wohne ich noch gleich? Welver. Ok, dann nehme ich „rechts“ und laufe weiter.

Auf der Straße erblicke ich schon wieder ein Opfer des Straßenverkehrs... oder aber einer zu hohen Ballaststoffzufuhr. Ein Straßenbegrenzungspfosten* steckt ganz schief im Boden. Was ihm wohl widerfahren ist? Der Arme. Nach einigen Kilometern finde ich meine Route wieder. Ich hatte wohl etwas geschlafen. Na ja. Schilder lesen bedarf auch einer gewissen Aufmerksamkeit und Intelligenz.
Der letzte Abschnitt geht über kleine romantische Brückchen und auf den letzten Metern durch den Wald. Trotz total steifer Beine genieße ich die schöne Strecke. Mit meinem kleinen "Verlaufer" beende ich meinen Lauf mit einer Zeit von 3 1/2 Stunden. Kilometertechnisch dürften es so ca. 25 sein, von denen die letzten 15 km echte Marathon-Kilometer waren. Und das hat richtig Spaß gemacht. Wer freut sich nicht über das Kilometer-Schild mit der 40? Und wer genießt nicht die Blicke der Leute, die denken, man würde gerade die Marathon-Route laufen? (Man muss nur an jedem Schild nah genug vorbeilaufen und ganz genau gucken, wie es weiter geht, und schon denkt jeder Passant, man rennt gerade einen Marathon.)

So, lieber Läufer wenn Du mal an einem Wochenende nichts im Termin-Planer hast und das Wetter alles gibt, dann komm nach Welver zur Marathon-Route. Die ist das ganze Jahr ausgeschildert und führt Dich sicher (es sei denn, Du bist so blond und unaufmerksam wie ich) durch eine schöne Landschaft mit reichlich Mohn und Straßenbegrenzungspfosten*. Du kannst wählen zwischen einer 10er, 21,1er, 30er oder 42,195er Strecke. Mein Geheim-Tipp: Such Dir vorher die Marathon-Strecke raus und steig bei Kilometer 30 oder 40 ein und genieß das noch frische Gefühl bei 42,195 ;-)
Und wenn Du dafür eine Urkunde haben möchtest, dann komm einfach am 3.Oktober nach Welver. Dann gibt’s den 5amTag-Marathon mit Zeitnahme, Urkunde, Verpflegung und natürlich auch mit Straßenbegrenzungspfosten*.

von Marion Fladda


Wo ist der Frühling?

So langsam kann ich sie aber auch nicht mehr sehen: Die Farbe „Weiß“. Als Läufer versuche ich ja, irgendwie damit klarzukommen. Es ist ja auch mal schön, durch frisch gefallenen Schnee zu laufen. Neue Spuren zu hinterlassen. Das Knirschen unter den Füßen zu hören und zu spüren. Aber jetzt reicht es langsam.

Im Frühjahr steht der nächste Marathon an. Schon Ende März geht es nach Steinfurt. Und ordentlich Kilometer wollen bis dahin noch geschrubbt werden. Aber irgendwie klappt es einfach nicht so richtig. Entweder sind die Wege so uneben, dass es einfach keinen Spaß macht, darauf zu laufen. Oder es ist einfach viel zu glatt. Dazu kommt, dass es abends im Dunklen auch einfach keinen Spaß mehr macht, durch unseren Ort zu laufen. Immer nur durch die abendlichen Straßen. Das wird mit der Zeit öde und langweilig. Im Hellen durch die Natur geht es im Moment nur am Wochenende. Aber auch tagsüber ist es für so richtig lange Läufe im Schnee einfach zu … zu … ja zu was eigentlich? Zu gefährlich? Zu anstrengend? Zu kalt? Zu weiß?

Ich möchte wieder in kurzer Hose durch die warme Sonne laufen. Nur im T-Shirt. Und ich möchte einen roten Kopf bekommen. Von der Sonne und nicht vor Frost. Und ich möchte mich nicht jedes Mal vor dem Laufen eine halbe Stunde lang anziehen müssen. Mit dicker Mütze und mit Handschuhen. Und mit drei Lagen Kleidung am Körper. Und danach das Ganze wieder aus.

Hoffentlich können wir bald mit einem ordentlichem Marathontraining anfangen. Bisher laufen wir nur in einer Spar- und Notversion eines Trainings.

Ich habe keine Lust mehr auf Schnee! Frühling! Wo bist Du?

Autor: Frank Pachura
www.Laufen-in-Dortmund.de


ROYAL RAID MOUNTAIN RUN 2009 - MAURITIUS

AUTORIN:
Alice Hemmer
33 Jahre
Freizeitläuferin und so verrückt als ersten Wettkampf am 8. Mai 2009 den Royal Raid auf Mauritius zu laufen!

NATIONAL GEORGES BLACK RIVER PARK – CHECK IN
Mit meiner Startnummer 445 stehe ich samstags morgens um 6:30 Uhr umringt von ca. 400 Mitstreitern auf einem Berg in der Südwesthälfte von Mauritius und warte auf den Sonnenaufgang. Bereits um 4:30 Uhr klingelte der Wecker, es gab ein kleines Frühstück und um 5:30 Uhr fuhr der Bus beim Hotel ab, der uns innerhalb einer knappen halben Stunde auf die 600m hoch gelegene Jet Ranch, eine größere Hütte in der man auch übernachten kann, gebracht hat. Es ist noch dunkel als die Menschen in das Gebäude strömen. Zur Einstimmung spielt eine typische mauritische Sega-Band. Athleten jeden Alters, Männer und Frauen hauptsächlich aus La Reunion und Mauritius wuseln geschäftig herum, Europäer sind hier die Minderheit. Ich bin die einzige deutsche Frau.
Hier und heute beginnt um Punkt 7:00 Uhr der Royal Raid, der erste Lauf meines Lebens. Auf mich warten 35km Berglauf in einem mir völlig unbekannten Terrain – und ehrlich gesagt habe ich zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, worauf ich mich eingelassen habe.Der Weg wird mich über 2.500 Höhenmeter durch eigens für den Raid geöffnete Naturreservate führen. Zielpunkt ist das Tamassa Hotel, in welchem der Großteil der Läufer untergebracht ist.

START - PETRIN MACCHABEE 600m – KM0
Punkt sieben Uhr starten wir bei grossartigstem Sonnenaufgang. Die Masse setzt sich in Bewegung, die Favoriten haben sich sehr weit vorne positioniert und laufen zielgerichtet los. Ich stehe sehr weit hinten, gehe alles langsam an und trabe eine Bergstraße runter um dann sofort auf einen matschigen Waldweg abzubiegen. Es ist noch feucht und nebelig. Irgendwann hört der Matschweg auf und der Untergrund wird fester, wir laufen über einen Wiesenweg. Bin ich die Letzte? Ein zaghafter Blick nach hinten. Sehr gut, da sind noch ein paar Menschen hinter mir. Auch wenn ich ein absoluter Anfänger bin, möchte ich doch nicht von Anfang das Schlusslicht bilden, schließlich habe ich mich auf das Rennen vorbereitet.
Drei Monate lang habe ich nach einem Marathon-Laufplan trainiert. Zu meiner sonst üblichen wöchentlichen Alsterwalkingrunde kamen zwei Laufeinheiten, das Ziel waren drei Laufeinheiten die Woche. Für das Bergtraining habe ich alle Treppen benutzt, die mir zur Verfügung standen und jedem Aufzug widerstanden. Die Trainingskombination zeigte ihre Wirkung. Zum Ende der drei Monate konnte ich jede Strecke durchlaufen und auch meine Ausdauer wird immer besser. Meine längste Laufzeit waren drei Stunden am Stück, meine danach ausgerechnete Laufzeit für die 35 km Berglauf sechs bis sieben Stunden. Ich bin jetzt schon gespannt, ob ich dann endlich das sogenannte Runners-High, die Glücksgefühle hervorgerufen durch Endorphinausschüttung erleben würde. Ich hatte schon so viel davon gehört.
Ich hatte mir vorgenommen, langsam und dafür durchzulaufen und noch mache ich mir keine Vorstellung auf was ich mich eingelassen habe.
Ich versuche mich erstmal an meine neue Umgebung, Temperatur und den Boden zu gewöhnen. Man muss bei jedem Schritt aufpassen, dass man nicht fällt und der unebene Untergrund erfordert die gesamte Konzentration. Es gibt im Internet auf der Royal Raid Homepage Graphiken über den Lauf, die man sich runterladen kann. Diese zeigen die zu überwindenden Höhenmeter auf einem Diagramm und da sieht es alles sehr linear aus. Die Realität sind aber keine geraden Linien, sondern die (hügelige) Wiesen, natürliche Flussbette und die schroffe mauritische Bergwelt. Von dieser bin ich so beeindruckt, dass ich darüber das Trinken vergesse.

DOMAINE MARE LOUNGE – 600m – KM8.5
Der erste Wasserpunkt kommt erst nach 8.5 Kilometern und ist nicht mehr und nicht weniger ein Pick-Up beladen mit Wasserflaschen und zwei freundliche Helfer die sie reichen.
Ab jetzt versuche ich regelmäßig aus den Flaschen aus meinem Hüftrucksack zu trinken, der sich hier aber als eher unpraktisch erweist. Jetzt weiß ich auch, warum alle anderen Teilnehmer ein Camel-Back benutzen. Sieht aus wie ein Rucksack, kann aber mit Flüssigkeit gefüllt werden, die man dann mittels Strohhalmen einfach während des Laufens trinken kann. Das spart Zeit. Gut, ist ja auch mein erster Lauf, da darf man noch Anfängerfehler machen.
Auf über 7.5km führt der zweite Streckenabschnitt auf nahezu den Meerespiegel hinab zum nächsten Wasser- und Pausenpunkt. Wo normalerweise Wassermassen den Berg hinunter fließen wird jetzt gelaufen. Ab sofort gibt es keinen Weg mehr, nur noch ein trockenes Flussbett aus Geröll. Anstatt Tempo aufzunehmen, wie ich es mir für diesen Streckenabschnitt vorgenommen habe, versuche ich Tempo rauszunehmen und sicher den Berg runter zu kommen. Leichtfüßig überholen mich Mitstreiter, die eher von Stein zu Stein runterhüpfen als zu Laufen. Ich versuche diese Technik zu übernehmen. Mit Blick auf den Boden und voller Konzentration nicht hinzufallen stehen meine Füße plötzlich vor Wasser. Blick nach oben und auf die andere Seite des Flusses: Da ist der ersehnte nächste Wasserpunkt, meine Flaschen sind mittlerweile leer. Aber mit soviel Wasser hatte ich jetzt auch nicht gerechnet. Wie soll ich denn trockenen Fußes auf der anderen Seite ankommen. Gar nicht, der Weg sieht es vor durch das Wasser zu traben. Motiviert durch die aufmunternden Rufe der Streckenposten mache ich mich durch das Wasser und freue mich nach der Erfrischung von außen auf die von innen. Meine erste Pause.

KIOSK GEORGES RIVER POINT – 70m – KM16
Ich wusste, dass der nächste Streckenabschnitt meine ganze Aufmerksamkeit erfordern würde. Über 4.5km geht es von 70 auf 740 Meter hoch. Normalerweise wird es in der Höhe kühler, hier nur wärmer. Der Crosstrail wird sehr steil werden und meine ganze Kraft abfordern.
Neben Blasenpflaster für die Füße, Taschentücher und einer Sonnebrille habe ich auch zwei Gels und Traubenzucker eingepackt, man weiß ja nie. Normalerweise werden Gels nur von Profisportlern empfohlen, da sie schnelle Energie geben und dabei nicht den Magen belasten. Genau das richtige jetzt für mich, denke ich, da ich mir nicht vorstellen kann feste Nahrung zu mir zu nehmen. Ich reiße das kleine silberne Päckchen auf und drücke mir die klebrige dickflüssige Masse mit Apfelgeschmack in den Mund: Brrr ekelig, schmeckt wie Astronautennahrung, aber eigentlich auch nicht schlecht. Zwei, drei Wasser zum Nachspülen später wage ich mich an den Aufstieg. Ich fange wieder langsam, sehr langsam an.
Das habe ich in der Schweiz beim Bergwandern gelernt. Wenn man zu schnell losläuft, geht einem nach oben hin die Luft aus, im wahrsten Sinne des Wortes. Dasselbe habe ich beim Marathon erlebt. Ich habe mich beim diesjährigen Hamburg-Marathon in die Nähe des Ziels gestellt und geschaut, wer da nach 4h noch vorbei kommt. Die Läufer die gingen, sind definitiv zu schnell losgelaufen und haben ihr Tempo nicht gehalten. Ich will langsam durchlaufen, das ist meine Strategie die mich noch auf jeden Berg gebracht hat.
Die Strategie geht auf. Während mein Herz-Kreislauf-System Höchstleistung vollbringt, komme ich gut durch. Keuchend stehen meine Mitläufer auf den Stufen aus Baumwurzeln oder halten sich an Bäumen fest. Bäume sind auch meine kleinen Pausen, in die ich mich regelmäßig für drei Atemzüge - sehr entspannend für den Rücken, sehr anstrengend für die Arme, da sie ja mein Gewicht halten müssen. Bloß nicht zu lange stehen bleiben, sonst bin ich verloren. Ich ziehe meinen Körper an den Bäumen hoch und laufe weiter. Der Weg schlängelt sich treppenartig durch das Dickicht und ich schaue nicht mehr nach oben. Einfach nur auf die Füße und auf den nächsten Schritt. Auch dieser Berg ist irgendwann zu Ende, sage ich mir. Meine längste Laufzeit in der Trainingsphase von 3h Stunden habe ich auch bereits hinter mir gelassen, ich bin in einer neuen Laufdimension angekommen und weiß noch nicht wohin sie mich führt. Wie in Trance steige ich weiter den schmalen Weg zum Gipfel auf, ohne zu sehen wo dieser sein könnte. Oben angekommen sind tatsächlich 20.5km geschafft. Es gibt Getränke, Trockenfrüchte und Suppe. Mir ist definitiv nach Salz und ich schlürfe einen Teller Champingonsuppe leer. Bloß nichts essen, das den Magen belastet. Und bloß nicht zu lange ausruhen, ich habe immer noch 14.5km vor mir.

PARAKEET – 740m – KM20.5
Motiviert von der Vorstellung, dass es theoretisch nur noch Bergab geht und ich mittlerweile nicht mehr unter den Allerletzten bin, mache ich mich wieder leicht trabend auf den Weg. Wieder geht es steil bergab, sind Flussbette meine Laufstrecke und ein bis zwei weitere Flüsse gilt es auch noch zu durchqueren. Mittlerweile haben sich meine Füße an den Wechsel aus nass, kalt, heiß und trocken gewöhnt, dafür spielen meine Finger nicht mehr mit. Von Natur aus mit kleinen, zarten Fingern ausgestattet, sehe ich jetzt nur zehn dicke Würstchen und frage mich ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist. Egal, einfach weiter laufen. Habe ich jetzt nach 5h die Belastungsgrenze meines Körpers erreicht? Ich will durchhalten, die Strecke zieht sich. Langsam fange ich an zu zweifeln. Sind das wirklich 9km bis zum nächsten Wasserpunkt? Habe ich mich verlaufen? Im Grunde habe ich seit dem Gipfel niemanden mehr gesehen und Markierungen am Wegesrand, die mir den Weg zeigen sollen auch schon lange nicht mehr. Gab es eine Weggabelung die ich übersehen habe? Mitten am sonnigen Tage in der Natur bekomme ich Angst. Ich laufe die Angst einfach weg, einfach weiter. Und da endlich, wie aus dem Nichts: Der ersehnte Wasserpunkt und meine letzte Pause vor dem Ziel.

WATKOOK EXIT FREDERICA – 232m – KM29.5
Jetzt sind es wirklich nur noch 5.5km, das ist weniger als ich um die Alster laufe, das werde ich einfach schaffen. Ein letztes Mal Wasser, diesmal auch auf den Kopf und ein letztes Gel für die letzten Kilometer, diesmal Wildberry, lecker. Die Landschaft verändert sich. Führte der Raid bisher doch größtenteils durch Berg, Feld, Wald und Wiesen folgt der Weg jetzt zwei Meter hohen Zuckerohrfeldern Richtung Meer. Nach den unterschiedlichsten Bodenschattierungen und Steinen von braun bis schwarz ist die rote Erde der Zuckerrohrfelder eine willkommene Abwechslung. Und dann sehe ich auch die roten Dächer des Tamassa, mein Hotel, das Ziel, meine Dusche, mein Bett. Die Vogelperspektive lässt den Weg kürzer aussehen als er ist. Der Weg zieht sich rund um den Berg und führt mich zum Ort Bel Ombre. Die Strecke kenne ich von meinem Probelauf am Ankunftstag. Jetzt bin ich froh über den Traubenzucker, den ich im Sekundentakt in mich hineinstopfe. Ich kann nicht mehr. Wie schaffen das nur all die anderen? Ich kann nicht mehr denken. Ab jetzt funktioniere ich nur noch. 2km, noch. Mein Kopf weiß, dass das Ziel nicht mehr weit ist, meine Füße wissen, dass sie jetzt nicht stehen bleiben dürfen. Wo sind die Endorphine? Wo ist das sogenannte Runners-High? Ziel! Endlich, das Ziel Am Straßenrand rufen mir die Menschen aufmunternde Worte zu. Sehe ich so fertig aus? Ich lächele gequält. Es sind nur noch wenige Meter. Gleich habe ich es geschafft. Zieleinlauf. Wie ferngesteuert gehe ich weiter und bekomme meine Medaille von strahlenden Ordnern umgelegt. Ich kann es noch nicht fassen. Sechseinhalb Stunden, der erste Lauf meines Lebens.

TAMASSA HOTEL – 21m – KM35
Noch völlig benommen, nehme ich mein T-Shirt mit der Aufsschrift: YES I DID IT entgegen und gehe weiter Richtung Hotel. Meine Belohnung sind Massage und Pool im Spa, wie gut das tut. Etliche Läufer nutzen die Sauna, andere halten einfach nur ihre Beine in den kalten Pool. Wie schön, dass mein Hotel gleichzeitig das Event-Hotel ist, so kommt doch noch ein Gefühl von Gemeinschaft auf. Ich hatte mich ja den ganzen Tag gefragt, wann denn die Glückshormone kommen würden, langsam habe ich eine Vorstellung. Ohne diese Endorphinausschüttung wäre mein Körper überhaupt nicht in der Lage gewesen den Royal Raid zu meistern. Ich lasse den Abend angenehm ausklingen und freue mich auf das Schlafen.

THE DAY AFTER
Als ich am nächsten Morgen aufstehen möchte strafen mich meine Beine mit Nichtachtung. Ich stütze mich auf die Arme um und versuche mich so aus dem Bett zu hieven. Damit habe ich nicht gerechnet und der Weg zum Frühstück kommt mir auch irgendwie länger vor. Mein Körper fordert weiterhin feste Nahrung und Ruhe. Das Frühstück macht mich dermaßen müde, dass ich gleich wieder schlafen gehe. Mein zweiter Anlauf elegant aus dem Bett zu kommen scheitert kläglich. Jetzt geht gar nichts mehr. Gestern Abend habe ich noch gelacht, als ein Mitstreiter mir anbot seine Super-Durchblutungs-Sportler-Creme zu leihen, wenn ich „nur noch rückwärts die Treppen runter gehe“. Jetzt gehe ich tatsächlich nur noch rückwärts die Treppen runter. Im Tamassa fällt es nicht so auf, ich bin nicht die Einzige und die eingeschworene Athletengemeinde grüßt sich schweigenden Blickes mit „mir geht es genau wie dir“. Alle sind erschöpft, aber glücklich. Ich bin immer noch todmüde, denke aber irgendwie auch schon wieder über eine neue Herausforderung nach, vielleicht ein Triathlon? Das kann nur an den Endorphinen liegen…


Charlie Banker

Es ist Sommer. Endlich. Urlaubszeit. Zeit für die Familie. Zeit, sich auszuruhen. Zu faulenzen. Mal nichts zu machen. Einfach nichts. Nur herumhängen und ausruhen. Den lieben langen Tag. Die Arbeit ist schnell vergessen. Und Trainingspläne lasse ich mal Trainingspläne sein. Wettkämpfe habe ich zurzeit keine vor der Brust. Aaaach ist das schön.

Ich liege im Garten und döse vor mich hin. Die Sonne brennt vom Himmel. Die Kinder streunen mit Freunden herum. Ich genieße es, einfach mal allein zu sein. Einfach herrlich! Was für eine Ruhe.

Während ich so auf meiner Liege herumfaulenze, denke ich an die vergangenen Wochen. Einen Marathon bin ich gelaufen und einige 10er Wettkämpfe. Dafür habe ich fleißig trainiert und viel Zeit geopfert. Jetzt ist erstmal Urlaub und ich mache lauffrei. Schließlich müssen der Körper und der Geist sich auch mal erholen. Ich strecke mich und gähne mit weit aufgerissenem Mund in den Himmel.

Plötzlich brummt direkt hinter der Hecke ein lauter Motor. So laut, dass ich mich sehr erschrecke und dabei fast von der Liege falle. Meine Güte. Was ist das denn? Ich stehe auf, schaue durch die Hecke und sehe einen Nachbarn beim Rasenmähen. Ein Blick auf die Uhr: 15 Uhr. Die Mittagszeit ist vorüber. Mann. Jetzt ist die schöne Ruhe vorbei.

Ich lege mich wieder hin. Der Nachbar mäht und mäht und mäht. Jeden Grashalm einzeln. Er hört gar nicht mehr auf mit der Mäherei. Ich drehe gleich durch. Nach einer halben Stunde ist dann endlich wieder Ruhe. Er hat ausgemäht. Jetzt aber wieder schnell wegträumen. Aaaach. Herrlich. Endlich wieder Ruhe.

Sie wärt nur eine Minute. Der Kindergarten in unmittelbarer Nähe meines Gartens hat jetzt Spielplatzzeit. Gefühlte tausend Kleinkinder strömen in den Kindergartenaußenbereich und spielen mit lautem Geschrei herum. Einer nervt ganz besonders. Ein Junge schreit etwas, was sich für mich anhört wie „Charlie Banker“. „Charlie Banker.“ „Charlie Banker.“ Immer weiter. „Charlie Banker.“ Dann quiekt er lauthals und schreit weiter „Charlie Banker, Charlie Banker.“ Was soll das sein? Ein Spiel?

Ich frage mich, was das wohl heißen soll, komme aber zu keinem Ergebnis. Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich gleich durchdrehe. Ich will doch nur hier liegen. In meinem eigenen Garten. Und einfach etwas dösen und meinen Gedanken nachgehen. Stattdessen werde ich mit Überlautstärke mit „Charlie Banker“ beschallt. Es ist zum aus der Haut fahren.

Ich stehe wieder auf und schaue zum Kindergarten herüber. Der kleine Junge sitzt auf seinem Dreirad und schreit in die Gegend „Charlie Banker“. Er spielt ganz allein und niemand nimmt Notiz von ihm. Was immer das bedeuten soll. Charlie Banker?

Jetzt reicht es. Ich gehe ins Haus, ab in den Keller, ziehe meine Laufsachen und -schuhe an, einen Schluck Wasser und ab in den Wald. Ihr habt gewonnen, ihr Rasenmäher und Charlie Bankers. Ich gebe mich geschlagen. Ich haue ab. Jetzt seid ihr mich los. Ich gebe auf. Ich gehe laufen!

Und so trabe ich langsam und gemütlich durch den Wald. Der leichte Wind rauscht durch die Blätter. Die Sonnenstrahlen tanzen auf dem Boden. Ein paar Vögel zwitschern. Eine Fliege summt direkt in meinen Hals. Hust! Spuck! Würg!

Während ich mitten im Wald einen Husten- und Würgeanfall bekämpfe, kommt mir ein Spaziergänger entgegen. Er fragt mich, ob er mir helfen kann. Aber ich will kein Mitleid. Auch keine Hilfe. Ich will nur Ruhe. Sind denn heute alle gegen mich? Selbst die Fliegen?

Als ich nach einiger Zeit das Kratzen im Hals erfolgreich bekämpft habe (die Fliege ist übrigens nicht wieder raus gekommen), laufe ich langsam weiter. Weiter durch den Wald. Ich reiße meinen Mund nicht mehr so weit auf und atme mehr durch die Nase. Jetzt kann ich es genießen. Aaaach. Herrlich. Endlich Ruhe.

Nach einer Stunde bin ich wieder zu Hause. Der Nachbarrasen ist gemäht. Charlie Banker ist wohl von seiner Mutter Banker abgeholt worden, denn das Dreirad steht verlassen im Außengelände. Jetzt ist es hier auch ruhig. Kurz geduscht und dann schmeiße ich den Grill an.

Das habe ich mir heute aber redlich verdient: Schweinesteak nach Charlie Banker Art und als Vorspeise gewürgte Fliege mit frisch gemähtem Rasensalat. Hmmmm! Lecker!

Bis bald im Wald

Forrest Frank


Hier nun nach Beendigung des Mai-Gewinnspiels, die Lauferlebnisse der Gewinner, die unter sich die Plätze 1-5 aufgeteilt haben!

1. Gewinner: Kann man in zwei Stunden...

Dieter Knauf

(Biesenthal bei Berlin)

und zweiundvierzig Minuten die Welt verändern?

Bevor du versuchst, die Welt zu verändern, gehe dreimal durch dein eigenes Haus.
(aus China)



Zeit für Veränderungen. „Du bist jetzt 58 Jahre alt, also fang am besten sofort und bei Dir selbst an, Dieter!“

An einem Samstagabend im Februar 2009 drückte ich also das letzte Zigarillo aus und lud mir einen Trainingsplan für Laufanfänger aus dem Internet. „Halbmarathon unter 2:15“, das klang doch schon mal gut. Was ich überlesen hatte, da stand auch noch “Sie laufen bereits mindestens ein Jahr regelmäßig“...

Als frisch ans Werk, Mitte Februar die erste Laufeinheit, schön langsam. Die Pulsuhr wurde von nun an mein ständiger Begleiter, die Herzfrequenz mein bester Ratgeber. Trotzdem ziemlich mühselig, das Ganze. Bald aber fing es an, mir Spaß zu machen. Vier Wochen vor dem Dresdner Oberelbe-Marathon kamen dann ernste Zweifel, ob ich die Halbdistanz, also einundzwanzig Kilometer, überhaupt schaffen werde. Die Zeit spielte da schon keine Rolle mehr in meinen Gedanken.

An einem Sonntag, am 26. April 2009 um 9:20 Uhr ist es dann soweit. Über zweitausend Läuferinnen und Läufer machen sich auf den gut 21,1 km langen Weg von Pirna nach Dresden, ich reihe mich mal gleich hinten ein. Die Sonne lacht von einem strahlend blauen Himmel, leichter Rückenwind streicht durch das Flusstal und bringt etwas Kühlung, die mir schon bald willkommen ist. Wie ein langes Band zieht sich die Schar der bunten Trikots vor mir an der Elbe entlang. Laufen, laufen, laufen - schnell finde ich meinen Rhythmus. Schloss Pillnitz am anderen Ufer, ein herrlicher Anblick im frischen Frühlingsgrün. Und ich entdecke hier im Umfeld der Elbinsel den einen oder anderen Bootsverein mit eigenem Steg. Ein guter Platz, um mein Kajak demnächst mal in das Elbwasser zu tauchen.

Über mir das „Blaue Wunder“, Dresdens wohl berühmteste Brücke. Ich weiß, dass jetzt
deutlich mehr als die Hälfte geschafft ist. In einem endlos langen Bogen windet sich der Uferweg der Stadt entgegen, die wohl sichtbar, aber noch nicht greibar mit ihrer wunderbaren Silhouette vor mir auftaucht. Vom rechten Elbhang grüßen die Dresdner Schlösser. „Waldschlösschenbrücke“, welch lieblicher Name und welch hässliche Wunden, von den riesigen Fundamenten schon jetzt in die Landschaft geschlagen. Ich laufe also noch einmal durch das Dresdner Weltkulturerbe, vielleicht zum letzten Mal...

Die Schritte werden kürzer, die Kilometer länger, die Sonne heißer und die Beine schwerer. Eigentlich könnte ich jetzt auch aufhören, wer weiß, ob ich das noch schaffe? Einfach da vorn in den Biergarten setzen, wo die netten Leute stehen und jeden Läufer beklatschen, der vorkommt. Gleichgültig, ob langsam oder schnell... Naja, ist eigentlich eine blöde Idee, dazu bin ich ja nicht nach Dresden gefahren, habe mich nicht zehn Wochen vorbereitet. Also weiter. Die Frauenkirche im Visier, Brühlsche Terrasse, Weiße Flotte, Semperoper, immer mehr Menschen. Der letzte Kilometer, ein Stück davon auch noch leicht bergan, na toll...



Die letzte Runde im Stadion, die Tartanbahn „schön“ weich und die Beine versinken wie in Watte. Zieldurchlauf. Die Uhr zeigt 2:41:56. So lange und so weit war ich noch nie vorher gelaufen. Müde, aber nicht am Boden. Trinken, Essen, Duschen. Ich habe es geschafft. Alles ist gut.

Zurück zur Eingangsfrage: Kann man? Ich kann!

Ach ja, und da war dann noch diese 78jährige Frau aus der Nähe von Frankfurt am Main. Anfangs liefen wir ein Stück zusammen und haben uns gut unterhalten – über das Laufen, das Wetter, die Landschaft. Über das Alter und die Jugend. Und ein paar Lauftipps gab sie mir für mein künftiges Läuferleben auch noch mit. Lange nach dem Zieleinlauf sehe ich sie wieder, etwas abseits stehend. „Ich besuch dich dann morgen im Hospiz“, höre ich sie noch in ihr Handy sprechen, bevor sie das Gespräch beendet. „Meine Schwester,“ erklärt sie mir, „sie liegt im Sterben. So ist das Leben...“ und lächelt mich mit ihren wachen Augen an. „Ich musste ihr verprechen, trotzdem diesen Lauf in Dresden zu machen. Und vielleicht ist es ja auch mein Letzter. Wer weiß das schon“.

2:41:56 – oder eine Stunde mehr, eine Stunde weniger. Was ist eigentlich wichtig?

Ich weiß, das ich weiter laufen werde.



Dieter Knauf, im Mai 2009


2. Gewinner: Der erste Halbmarathon 2009

So es war gestern soweit der erste HM 2009 stand vor der Tür. Ich muss zugeben dass ich extrem nervös war. Nach dem ich das Jahr nicht so gut angefangen hatte, wegen Krankheit. Trotzdem wollte ich versuchen dem Pacemaker zu folgen der eine Zielzeit von 100 Min. erreichen sollte, obwohl meine Bestzeit bei 1 h 44 Min. 23 Sek. lag. Ich wusste wenn ich meine persönliche Bestzeit vom letztem Jahr mir anschaute, dass es ein extrem hoch gegriffenes Ziel war. Doch meine Idee war zu versuchen solange wie möglich dem Pacemaker zu folgen und dann wenn ich merkte dass die Kräften schwinden den Pacemaker ziehen zu lassen. Eigentlich so wie letztes Jahr in Trier, dann hatte ich vieleicht auch noch eine Chance eine neue persönliche Bestzeit zu laufen. Sonntag 14 Uhr der Start, ich versuchte sofort am Pacemaker dran zubleiben was am Anfang aber nicht so leicht war. Ich wollte sofort andere Läufer überholen, doch ich hielt mich zurück und sagte mir, dass ich nur dem Pacemaker folgen sollte und mir die Kraft sparen sollte. Nach dem ersten Kilometer hat sich eine Gruppe um den Pacemaker gebildet. Die ersten 10 km liefen sehr gut und der Pacemaker lief ziemlich konstant. Ich füllte mich noch recht frisch so das ich weiter das Tempo mitgehen wollte. So dei beiden nächsten Kilometer liefen eigentlich auch noch so weit ziemlich gut. Kilometer 13 kam dann der nächste Versorgungstand wo der Pacemaker uns aufforderte zu Trinken, denn hier wäre es wichtig. Wir verlangsamten das Tempo ich nahm mir ein Becher Wasser und ein Stück Banane und dann weiter. So ab dem 14ten Kilometer merkte ich dass die Kräfte solangsam nachliesen. Also trat das nun ein was ich mir schon dachte dass ich die Pace warscheinlich nur bis ungefähr Kilometer 15 mithalten kann. So Kilometer 15 nahm ich dann mein PowerGel was ich dabei hatte um dem Körper ein wenig Zucker zu geben. Der 16te Kilometer brach an ich lief nun am Ende der Gruppe, und musste mich zusammen reisen. Ich fragte mich was ich nun machen sollte.... sollte ich die Gruppe jetzt ziehen lassen.... wenn ja dann wäre ich ziemlich alleine und die Motivation würde dann auch verschwinden. Also versuchte ich noch ein bischen so nah wie möglich an der Gruppe zu bleiben und mir auch Windschatten bei der Guppe zu holen. Der Kilometer 17 brach jetzt an, und wir wendeten in Ingeldorf zurück Richtung letzten Versorgungsstand, ich verlangsamte mein Tempo wieder ein wenig, nahm ein Becher Wasser und ein Stück Banane und schaute vor mich und da, die Gruppe war schon ein gutes Stück weg gezogen. Da war mir klar die Kraft um das Tempo wieder aufzuholen habe ich nicht mehr. Ich aß meine Banane und lief das Tempo weiter nur eine Frau lief noch neben mir, die auch in der Gruppe war. Doch auf einmal kam von hinten der Pacemaker an und sagte dass die Gruppe das Tempo etwas verschärft hat und dass er noch bei uns bliebe. Jetzt waren wir schon bei Kilometer 18, ich hörte den Pacemaker sagen, dass wir noch immer gut in der Zeit liegen würden. Bis dahin waren wir 20 Sek. vor der Zeit. Kilometer 19 verging und ich biss auf die Zähne bis hierhin habe ich es geschafft und will jetzt nicht die ganze Zeit in den Sand setzen, ich fluchte einmal kurz, der Pacemaker darauf hin motivierte mich es wären nur noch 1800 m ich sollte durchhalten. Nun brach Kilometer 20 an, die letzte kleine Steigung kam, Richtung Brücke hinauf, ich war solangsam an den Grenzen, ich versuchte den Kopf auszuschalten und nur noch zu laufen, ich säufze noch mals. Der Pacemaker ermutigte mich nochmals ich sollte gut durchatmen und nach vorne schauen und ein Läufer vor mir anpeilen. So jetzt nur noch ungefähr 500 m der Pacemaker sagte jetzt zu mir ich sollte jetzt weg laufen ich würde es schaffen und der Pacemaker lies ab. Ich hörte noch hinter mir als jemand dem Pacemaker sagte er wäre zu schnell und dieser antwortete es wären nur 30 Sek.. So wir kamen in das Station herrein, wir mussten noch eine Runde laufen... ich hielt das Tempo jetzt gleichens und lief hinter der Frau her die auch die ganze Zeit in der Gruppe lief. Und dann endlich das Ziel kam jetzt immer und immer näher... ich hörte noch wie mein Name genannt wurde, ich lief über die Ziellinie stoppte meine Uhr. Der Blick sofort auf die gestoppte Zeit, ich konnte es nicht glauben, es war wie ein Traum, ich bin eine 1 h 39 Min. 30 Sek. gelaufen und das in meinem 2ten Laufjahr! Gleich drauf kam der Pacemaker auch durchs Ziel und ich bedankte mich bei ihm!
Das war wirklich ein geiler, wenn auch anstrengender Lauf! Ich bereue es nicht, dass ich solange gekämpft habe und an meine Grenzen gegangen bin.

Autor: Christian aus Rippig (Luxemburg)


3. Gewinner: Behindertes Kleinkind ausgesetzt?

Es war irgendwann im Sommer 2007 an einem warmen Sommertag. Ich befand mich gerade auf einem 15 Kilometer-Lauf mitten in einem Waldstückchen als ich an einem Kinderwagen (Buggy) vorbei lief in dem ein ca. 2-3 Jahres Kleinkind saß.
Völlig in meinen Gedanken vertieft lief ich an diesem weiter und realisierte erst ein paar Meter weiter das ich gerade mitten im Wald an einem Kinderwagen mit Kind vorbei lief ohne das eine Begleitung zu sehen war. Hin und hergerissen entschied ich mich dann doch umzudrehen um zu schauen warum im Wald ein Kind im Buggy unbeaufsichtigt stand. Als ich das Kleinkind aus der Entfernung wieder sah, sah ich gleichzeitig das ihm, ein kleiner Junge, auf einer Seite eine Hand fehlte. Das Kind hatte also eine sichtbare Behinderung. Bei der Realisierung genau dieser schoss mein Puls (der durchs Laufen bereits hoch war) noch weiter in die Höhe. Hat hier tatsächlich jemand sein Kind ausgesetzt? In der heutigen Zeit wäre das leider keine Seltenheit mehr. Beim Jungen angekommen fragte ich erstmal nach seinem Namen und was er denn so alleine im Wald mache. Ich bekam aber leider gar keine Antwort. Er sah mich nur sehr verunsichert und zurecht auch verängstlicht an. Auch bei genauerem Umschauen sah ich absolut keinen der zu dem kleinen Jungen gehörte. Ich rief dann mehrmalig sehr laut "Hallo, ist hier jemand?". Es kam keine Antwort. Dann auf einmal kam ein junges Mädchen (10-12 Jahre) aus einem entfernten Gebüsch mit einem Paar Schuhe in der Hand auf mich zu. Sie erklärte, der Junge gehöre zu ihr und sie würde auf ihn aufpassen. Er wäre jedoch mit seinem Schuh in etwas Hunde-Kot getreten und das hätte sie gerade gesäubert. Ich hab ihr dann erzählt das ich es nicht für richtig halte ein Kleinkind mindestens 5 Minuten alleine zu lassen, erst recht nicht in einem Wald. Nun nach diesem Erlebnis habe ich mich völlig durcheinander auf den Weg nach Hause gemacht. Nachträglich betrachtet handelt es sich hierbei wohl um mein verrücktestes Erlebnis während eines Laufes.
Viele Grüße

Autor: Björn aus Eitensheim (Deutschland)


4. Gewinner: Es waren doch nur 12 km...

..., aber irgendwie war heute alles merkwürdig:
Es fing schon damit an, dass mein Handy klingelte (was ja eigentlich nicht so merkwürdig ist, aber das klingelt doch eher selten) und ich den Berg rauf mit Handy am Ohr gegangen bin.
Nun gut; die Runde um die Kirche bin ich dann wieder gelaufen, wobei mir der Polizeiwagen auf dem Waldweg auffiel (das war jetzt aber doch merkwürdig). Als mein Hund ein wenig den Abhang runter laufen wollte, stieg sofort eine Polizistin aus dem Wagen und gab mir den Befehl, den Hund zurückzurufen. Hab ich natürlich sofort gemacht und die Polizistin gefragt, ob irgendetwas besonderes wäre. Sie daraufhin: "Da unten liegt ein totes Schwein oder so etwas." (Hä? Hab ich das jetzt richtig gehört?).
Ich bin weitergelaufen und hab mich noch darüber gewundert, dass die Polizei ein totes Schwein bewacht, als ich eine Spaziergängerin traf. Wir wollten schon aneinander vorbeigehen (bzw. laufen), haben uns aber im gleichen Moment erkannt: Es war eine Bekannte aus dem www, die ich erst einmal vorher gesehen hatte.

So ein Zufall! Wir haben ein Ründchen gequatscht, dann bin ich weiter gelaufen.
Eigentlich sind die Wege da oben im Wald sonst eher einsam, vor allem am Vormittag, aber heute habe ich 9 Schulklassen und Kindergartengruppen gezählt! Ist ja auch nicht weiter schlimm, aber lästig, da ich meinen Hund immer an- und abschnallen musste. Ich bin dann extra noch was weiter abseits gelaufen; dorthin, wo es noch einsamer ist.
Und da kam mir doch tatsächlich ein anderer Läufer mit Hund entgegen, der mich in ein Verkaufsgespräch für Aloe vera-Produkte verwickelte... Mitten im Wald! Das fing ganz normal damit an, dass die Hunde sich beschnuppert haben. Der Mann fing an, über Hundegesundheit zu reden, kam dann auf Bewegung für Menschen, um dann weiter zur Gesundheit für Menschen zu kommen, die sich nur mit Nahrungszusätzen verwirklichen ließe usw. Am Telefon hätte ich ihm ja gleich eine Abfuhr erteilt, aber hier wurde ich ihn echt nicht mehr los. Selbst als ich meinte, ich müsse mal weiterlaufen, weil ich schon auskühlte (das zieht doch eigentlich immer), hat er das wohl als Aufforderung gesehen, mir zu erzählen, dass er nicht mehr frieren würde seit er Aloe vera-Gel nimmt *Oh Mann*.
Als er mir dann endlich seine Visitenkarte in die Hand gedrückt hatte, durfte ich weiterlaufen. Auf dem weiteren Weg traf ich nur noch ein paar Schulklassen und nahm den Geruch des "toten Schweins" noch einmal wahr, dann war ich zu Hause.
Tja, am nächsten Tag stellte sich so langsam heraus, dass das "tote Schwein" eine zerstückelte Frauenleiche war, die der Hund eines Bekannten kurz vorher gefunden hatte. Auch in den nächsten Tagen traf man immer wieder Polizisten und Suchtrupps, die noch Leichenteile fanden. *Brrr*

Autorin: Maria aus Bonn (Deutschland)


5. Gewinner: Neulich beim Trainingslauf!

Gestern am 1. Mai befand ich mich auf einem langsamen, lockeren Trainigslauf (zur Aktiverholung nach dem Marathon Zürich) als ich einer Gruppe Jugendlichen bestehend aus 4 Mädchen und zwei Jungs entgegen lief. Plötzlich steuerte eine attraktive Brunette auf mich zu und fragte mich, ob ich die Autobahnmaut 09 schon bezahlt hätte. Ich lächelte zurück und sagte, das sei doch gar nicht nötig. Darauf antwortete Sie: "Doch, Sie laufen ja so schnell!" Worauf ich einen Blick auf meine Polar Pulsur warf und antwortete: "Oh schauen Sie, wegen Ihnen ist nun meine Hertzfreqzuenz völlig aus dem Rythmus gekommen!" Wusste gar nicht dass man auch beim Laufen nette Leute kennen lernen kann. :-)
Sportliche Grüsse aus der Schweiz

Autor: Paul aus Kölliken (Schweiz)


Kolumne für RunnersPortal 03/2009

Forrest Frank
Frühling. Jeder Laufsportler freut sich auf diese Jahreszeit. Der dunkle, kalte Winter ist vorüber. Jetzt kommt endlich die Sonne raus. Die Tage werden länger und wir können abends noch bei Tageslicht unsere Runden drehen. Wie leicht fühlen wir uns bei unserem ersten Läufchen in kurzer Hose und T-Shirt. Es kommt wieder Luft an den Körper. Ein wunderbar befreiendes Gefühl.

Überall duftet es nach Wald und nach Blumen. Alles wird wieder grün und bunt. Die Natur erwacht aus ihrem Winterschlaf. Schon früh morgens und auch noch spät abends hören wir endlich wieder Vogelgezwitscher. Dies alles stimmt uns darauf ein, dass es nun endlich in Richtung „Warme Jahreszeit“ geht.

Der ein oder andere beginnt mit dem Training für seinen Frühjahrsmarathon. Im Winter haben wir bereits die Grundlage gelegt. Jetzt beginnt die intensive Vorbereitung und wir erhöhen mit richtig guten Frühlingsgefühlen die wöchentliche Laufleistung. Schließlich wollen wir unsere selbst gesetzten Ziele erreichen, seien es neue Bestzeiten oder neue Dimensionen, in die wir uns hinein laufen wollen.

Wir laufen los. Jede Woche immer mehr Kilometer. Immer weitere Strecken. Immer schnellere Zeiten. Bis … tja, bis der Tag kommt, an dem nichts mehr geht. Der Tag, an dem der erste Baum seine Pollen in die Welt hinaus sendet. Der Tag, an dem die Blumen meinen, ihren Blütenstaub vom Wind in alle Himmelsrichtungen verbreiten lassen zu müssen. Der Tag, an dem er beginnt: Der Heuschnupfen.

Zuerst beginnt es mit einem Kitzeln und Kribbeln in der Nase. Dann beginnt sie zu laufen. Die Augen fangen an zu jucken und zu tränen. Manchmal werden sie knallrot und glasig. Der Atemapparat wird immer enger und die Sauerstoffzufuhr funktioniert nicht mehr so, wie sie eigentlich soll. So ist das mit den Frühlingsgefühlen. Die einen genießen den Frühling, die anderen sind froh, wenn er endlich wieder vorüber ist.

So einen Lauf habe ich in jedem Jahr. Der eine Lauf, bei dem mir die Luft wegbleibt. Bei dem sich mir der ganze Hals zuschnürt. Bei dem ich dann schließlich froh bin, wenn ich noch gesund und ohne zu ersticken weiter laufen kann. Zu Hause angekommen nehme ich dann sofort meine bereit liegenden Heuschnupfentabletten ein. Vielleicht noch einen Hieb Asthmaspray. Oder zwei. Und dann geht es langsam wieder.

Das Trainingsprogramm wird nun angepasst. Ganz so intensiv geht es nicht mehr weiter und so mancher Lauf wird ab jetzt zur Quälerei. Aber wir wollen unsere Ziele ja erreichen. Und so laufen wir weiter. Immer weiter. Trotz Frühling. Trotz Schniefnase. Trotz verheulter Augen.

Irgendwann ist der Frühling geschafft. Und dann freuen wir uns auf sommerliche Hitzeläufe bei 30 Grad im Schatten. Mit staubtrockener Zunge und sonnenverbrannter Haut. Und danach auf stürmische Herbstläufe bei Nässe, Nebel und Nieselregen.

Gibt es denn eigentlich eine ideale Jahreszeit für Läufer? Na klar! Immer! Denn wir laufen nicht gegen die Natur sondern mit ihr. Alles eine Frage der Sichtweise und der richtigen Kleidung.

In diesem Sinne … Bis bald im Wald.

Forrest Frank